Das Zustandsbild der PC-Branche hat sich 1998 in der Schweiz gegenüber dem Vorjahr sehr stark verändert. Hohes Stückzahlenwachstum, massiver Rückgang der Durchschnittspreise und somit stagnierender Umsatz zeichnen den Markt aus. Der Homemarkt legte weit weniger stark zu, als der Business-Markt und die mobilen Systeme verzeichnen, wie bereits im Vorjahr, das höchste Marktwachstum. Die Detailanalysen zeigen deutlich, dass das Jahr 2000-Problem einen starken Einfluss auf das Marktgeschehen ausübt und noch verstärkt im laufenden Jahr ausüben wird.

Das Stückzahlenwachstum ist gegenüber dem Vorjahr nochmals deutlich angestiegen. Es liegt bei 20.2% gegenüber 18.8% in der Vorperiode. 1998 wurden 904000 neue Geräte in unseren Markt gebracht. Dabei wurden 724'500 Desktop-Systeme im Markt platziert (Steigerung 19.5%), die Server-Systeme legten um 18.2% auf 30'500 Einheiten zu und die mobilen Systeme stiegen um 24.4 Prozent-Punkte auf 149'000 Einheiten und erreichen das höchste prozentuale Stückzahlenwachstum. Das Home-Segment legte mit 14.3% auf 188'500 Einheiten deutlich weniger zu, als das Business-Segment mit 21.4% und 536'000 Geräten. Vor allem der starke Zuwachs im Business-Segment lässt sich mit der Jahr 2000-Problematik erklären. Viele Unternehmungen haben im letzten Jahr angefangen ihre älteren PC-Generationen durch neuste, Y2K-sichere Technologie zu ersetzen. Diese Aussage wird durch die Tatsache untermauert, dass die Recyclingfirmen einen signifikanten Zuwachs an zu entsorgenden PCs verzeichnen konnten. Auch im laufenden Jahr setzt sich diese Tendenz fort, wobei auch noch die Steuerharmonisierung in einigen Kantonen eine weitere Rolle spielt. Dies wird durch ungewohnt hohen Verkaufszahlen im Januar bewiesen. So sind beispielsweise für Firmen im Kanton Zürich die PC-Investition in diesem Jahr steuerlich gesehen weitaus interessanter als im letzten Jahr.
Im Homemarkt lag andereseits das Wachstum mit 14.3% deutlich unter dem Niveau des Gesamtmarktes. Wachstumsleader mit 24.2% Zuwachs ist einmal mehr das mobile Segment.
Die Durchschnittspreise haben sich in allen Kategorien, teilweise sehr stark, nach unten verschoben. Dies kann nicht weiter verwundern, denn in Inseraten werden ständig Tiefstpreise dem Endkunden kommuniziert. Desktop-Maschinen im Businesseinsatz büssten auf Enduser-Basis rund 12.2% ein, der Durchschnittspreis inkl. Monitor lag bei rund 2930 Franken. Mit einem Rückgang von 26% verloren die Homegeräte noch stärker, sie kosteten durchschnittlich noch rund 2100 Franken. Auch die mittleren mobilen Systempreise (4450 Franken) gingen mit 21.3% massiv zurück. In beiden Segmenten, Home und mobil, resultierte so, trotz hohem Stückzahlenwachstum, ein Umsatzrückgang: 15.4% im Homemarkt (Umsatz 396 Millionen Franken) und 2.1% im mobilen Markt (663 Millionen Franken). Im gesamten Gerätemarkt, ohne Peripherie und Software, war ein Umsatzwachstum von rund 2% feststellbar, dies bedeutet für das Jahr 1998 einen Umsatz von 3.068 Milliarden Franken.
Ein interessantes Merkmal des CH-Marktes liegt in der Tatsache, dass die wichtigsten Anbieter mit hohem Stückzahlenwachstum aufwarten konnten; anders ausgedrückt, der Schweizer kaufte vermehrt die bewährten Marken wie beispielsweise Geräte von Compaq, IBM, HP, Dell und Apple. Diese fünf Stückzahlen-Marktleader verzeichneten zusammen ein Wachstum von 40.9% und deckten damit 54% des Gesamtmarktes ab. Dieser Wert liegt um 17.2% höher als der Vorjahreswert.
Unter diesen veränderten Umständen hatten teilweise die Assemblierer zu leiden. Sie bauten 1998 rund 171'000 Geräte zusammen, was einem Anteil am Gesamtmarktes von 19% entspricht. So wird immerhin jeder fünfte PC, der bei uns über den Ladentisch ging, auch in unserem Lande selber assembliert. Das Wachstum bei den Assemblierern lag aber mit 9.2% deutlich unter demjenigen des totalen CH-Marktes.

Der Trend zum "Mail to Order" ist nicht aufzuhalten

Über den Handelskanal wurden nach wie vor rund 80% aller Systeme abgesetzt. Der sehr beachtenswerte Vorstoss von Dell, Dell ist in beinahe allen Ländern neu unter den Top-3-Anbietern zu finden, zwingt die Konkurrenz das Dell-Modell einer harten Analyse zu unterziehen. Dell setzt momentan pro Tag rund 14 Millionen $ allein übers Internet um. Grund genug für die Grossen, die bis anhin auf die Handelskanaltreue pochten, den Verkauf übers Internet ernsthaft zu prüfen bzw. auch in Europa zu etablieren. Somit gewinnt das «Mail to Order» auch bei uns immer stärker an Bedeutung. Die Lancierung von schweizerischen On-Line-Shops für den Kauf der meisten Marken-PCs wird im laufenden Jahr zu einer merklichen Verschiebung hin zum Direktverkauf führen.

Die wichtigsten Anbieter beherrschen den Markt

Die Top-15 konnten ihre Marktanteile wiederum um 5% gegenüber den Restanbieter steigern.
Die Detailanalysen über die einzelnen Marktsegmente und Einsatzgebiete sehen wie folgt aus:

Totalmarkt:
Die Top-3-Anbieter (Compaq, IBM und neu HP) setzten 41% aller Geräte im Markt um (Wachstum: 39.4%), die Top-5-Anbieter (DELL und Apple) erreichen einen Marktanteile von 54% (Wachstum: 40.9%), die Top-8-Anbieter (Acer, Siemens und Vobis) repräsentieren einen Marktanteile von 64.6% (Wachstum: 37.6%) und die Top-10-Anbieter (Fujitsu und der Newcomers Maxdata) teilen 71.1% des Marktes unter sich auf.

Desktop-Systeme:
In dieser Kategorie können die Top-3-Anbieter (Compaq, HP und IBM) 40% der Geräte im Markt umsetzen (Wachstum 39.7%), die Top-5-Anbieter (Apple und DELL) 53.5% (Wachstum: 40.3%) und die Top-8-Anbieter (Siemens, Vobis und Fujitsu) 65.5% (Wachstum: 36.6%).

Mobile Systeme:
Die Top-3-Anbieter (Compaq, IBM und Toshiba) verzeichnen in dieser stark wachsenden Kategorie einen Marktanteil von 51.8% (Wachstum: 27.6%), die Top-5-Anbieter (Acer und Dell) einen solchen von 71.8% (Wachstum: 32.2%) und die Top-8-Anbieter (Apple, Microspot und HP) gar 84.6% (Wachstum: 35.4%).

Server:
Die Top-3-Anbieter (Compaq, IBM und HP) setzten 67.3% aller Geräte im Markt um und verzeichneten ein Wachstum von 37.3%, die Top-5-Anbieter (Siemens und Acer) kommen bereits auf 76.5% (Wachstum: 36%). Unter den wichtigsten Server-Hersteller fallen auch einige Assemblierer, die als Firmen in dieser Statistik nicht aufgeführt werden.

Home-Markt:
Die Analyse nach Einsatzgebieten zeigt im Home-Segment für die Top-3-Anbieter (Vobis, Compaq und Apple) einen Marktanteil von 32.5%. Die Top-5-Anbieter (Microspot und Siemens) steigern den Marktanteile auf 47.6% und die Top-8-Anbieter (Fujitsu, Maxdata und Mega Shop) repräsentieren zusammen einen Marktanteile von 63.6%.

Business-Markt:
Die Top-3-Anbieter (Compaq, HP und IBM) im Business-Markt setzten 48.2% aller Geräte um und verzeichnen ein Wachstum von 42.8% bei den Stückzahlen und 17.7% bei den Marktanteilen.
Die Top-5-Anbieter (Dell und Apple) kommen auf einen Marktanteil von 62.2% (Wachstum: 42.2%) und die Top-8-Anbieter (Fujitsu, Maxdata und Siemens) auf 71.4% (Wachstum: 44.4%).

Gesamtinstallationen in der Schweiz

Werden die Zahlen der letzten Jahre, auch unter Berücksichtigung der in den Vorjahren entsorgten Geräten, aufkumuliert, so lässt sich errechnen, dass Anfangs 1999 in der Schweiz rund 3¹800¹000 PCs irgendwo herumstanden, bzw. sich im Einsatz zu bewähren hatten.
An den Arbeitsplätzen sind rund 1¹800¹000 PCs im Einsatz, womit 60% der Erwerbstätigen einen Computer am Arbeitsumfeld zur Verfügung haben sollten. Die Entsorgungsrate für 1998 beträgt hier 18%.
Das mobile Segment, welches nicht zu den Arbeitsplatzgeräte gerechnet wird, wuchs mit 28.6% deutlich stärker. In Stückzahlen ausgedrückt bedeutet dies ein Anstieg von 450¹000 auf 550¹000 Einheiten.
Da das Wachstum im Home-Segment weniger stark zulegen konnte, ist auch die installierte Basis an Geräten im Haushalt nur um 11.5% auf 1¹450¹000 Einheiten angestiegen. Das Potential an PCs im Heimeinsatz ist aber noch lange nicht ausgeschöpft. Der Internet-Boom wird dazu beitragen, dass auch Haushaltungen ohne PC sich die Anschaffung ernsthaft überlegen werden. Noch leistungsfähigere Systeme mit neuen Zusatztechnologien (USB, Firewire) und weiterhin rapid sinkende Preise fördern zudem den Ersatzkauf zu Hause.

© Robert Weiss Consulting 19.2.1999